Die Landkarte des Globitz

Fortsetzung

von Miloslav Bartos, Vrchlabi
Übersetzung: Gustav Erlbeck, Kirchberg

 

Ausschnitt aus der Konzeptkarte. Gebiet Schneekoppe und Riesengrund, darin ist unter Nr.19 das Zementwasser - Sudhaus des Herrn De Waggi eingezeichnet. (das Kupfer-Sudhaus in der Karte von 1585)

Die Kommissare besichtigten den größten Teil der Bauden-Enklaven, die zwar mit Zustimmung und Bewilligung des kaiserlichen Forstmeisters gegründet waren, aber sich ganz lebhaft mit dem Anwachsen der Zahl der Baudner-Angehörigen ausdehnten, die, um bescheidenen Lebensunterhalt zu bewahren, stetig in die Wälder eindrangen und sie zu Weide, Wiesen und Felder verwandelten. Der Fall des Holzhauers Paul Palmer, der nach Zeugenaussagen aufgrund des Konsenses des Forstmeisters zur Gründung einer Chaluppe in Großaupa gleich einige Bauden errichtete, war sicher nicht vereinzelt. Die Ansiedlung auf Kleinaupa gründete der Vater des Forstknechtes Daniel Kirchschlager, Vormann einer Holzhauergruppe, die sich offensichtlich dauerhaft in einem der Hauptbereiche der Holzarbeit ansiedelte.

In der Zeit der Grenzumgänge, und besonders schon bald vor ihnen, während der Maria Magdalena Trcka, war die königliche Gewalt über die Bewohner der Wälder so geschwächt, dass sich Herr de Waggi sich ihrer leicht bemächtigen

konnte. In sein Einkommen lieferten die Baudler, ebenso wie die Untertanen seiner Dörfer verschiedene Zahlungen und Abgaben und vermehrten ständig direkt die Herrschaft De Waggi. -

"Und sagten uns Baudler (aus Klein- und Großaupa), daß Ihnen Herr De Waggi so viel Vieh bewilligte, nämlich Kühe und Ziegen zu halten, wie sie könnten, und daß sie ihm von jeder Kuh 28 und von Ziege 16 Kreuzer jährlich zahlen müßten." -

Es haben aber Baudler eine große Zahl Ziegen und vollends 6, 8, 10, 12 und auch 18 Kühe und noch mehr Ziegen. Und überdies müssen sie dem Herrn De Waggi für Robot jährlich tüchtig Geld und jeden besonderen Zins aus den Grundstücken bezahlen. Und wenn künftig jemand durch Abholzen ein Stück Wald vernichtet und damit seine Felder oder Wiesen verbreitert, so steigt auch der Zins aus dem Grundstück.

Ausschnitt aus der Konzeptkarte. Der oberen Kleinen Aupa und Grenzbauden mit abgebildeten Grenzsteinen des Kaisers Rudolf II. und der Schaffgotsch.

Herr De Waggi wagte es von den Bewohnern der Trautenauer königlichen Wälder schließlich auch eine Grundsteuer einzutreiben, die anstatt in die königliche Kasse ganz in seine Tasche floss, denn die Steuerrolle, nach der die Kontribution auf die einzelnen Güter und Herr-schaften verteilt war, erfasste die Ansiedler in den königlichen Wäldern überhaupt nicht.Die Karte des Globitz und weitere Schriften, die sie begleiten (darunter befindet sich auch ein namentliches Verzeichnis von 116 Baudlern) füllt in bedeutendem Maße die Lücke im ersten Kataster des untertänigen Bodens in Böhmen, der in den Jahren 1654 - 56 entstand. Die Zahl der Bauden, die vom Landgeometer in die Reinzeichnung der Karte übertragen sind, nähert sich (einschließlich der Johannisbader und Schwarzenbergischen) der oben angeführten Zahl und stimmt mit Angaben von Zeugen überein. Und weil Globitz anhand der Berichte des Pfe außer

der Grenzlinie auch Großaupa (von der Hauptklause) vermaß und auch das Gewässer der Kleinen Aupa abschritt, können wir voraussetzen, dass seine Karte mit bedeutender Zuverlässigkeit die Ausbreitung und Dichte der Siedlungen im ganzen bildlich dargestellten Bereich des östlichen Riesengebirges umfasst.

Neben den oben schon erwähnten kleineren Bauden-Enklaven verzeichnete Globitz beginnend in Dunkeltal entlang beider Ufer der Großen Aupa einen fast ununterbrochenen Gürtel mit 84 Gebäuden endend mit dem Sudhaus des Zementwassers des Herrn De Waggi, 6 Bauden im Blaugrund, 2 im Urlasgrund und 7 im Tal der Kleinen Aupa. Und während er in der Reinzeichnung der Karte sich zufrieden gab, Siedlungseinheiten in gänzlich idealisierte Landschaft unterzubringen (vielleicht weil er seine Vermessung als nicht genügend einschätzte), versuchte er im Konzept auch den gebietsmäßigen Umfang besiedelter und weiterer entwaldeter Flächen, die die Baudler fortschreitend kultivierten, zu kennzeichnen.

"In Groß- und Kleinaupa sind auf beiden Seiten des Baches bis hinauf beinahe ganze Berghänge ausgehauen. Auf diesen leeren Flächen machen sie hier und da Stückchen von Feld und Wiese, außerdem aber an anderen Stellen fern vom Bach sind die Bauden, der um sie stehende Wald ist auf großen Flächen gefällt."

Den meisten Schaden verursacht dem forstlichen Nachwuchs die umfangreiche Zucht von Vieh und Ziegen, die schon laut Vorschlag der Kommission vom Jahre 1609 in den königlichen Wäldern im Interesse der natürlichen und unterbrochenen Erneuerung des Bestandes verboten und beseitigt sein sollte. Zu kleine und schwierig zu bearbeitende entwaldete Flächen der Siedlungen konnten aber zur Ernährung der zahlreichen Herden von Kühen und Ziegen nicht genügen, deshalb bemühten sich die Baudler ständig um die Erweiterung der Ländereien ihrer Ansiedlungen. Das Bestreben des königlichen Forstmeisters und der Forstknechte, die Abnahme des Waldbodens aufzuhalten, erlahmte vor dem andauernden Bemühen der Baudler, ihre bescheidene Existenz zu bewahren und an den eigennützigen Interessen des Herrn De Waggi.

"Dadurch aber geschah den Wäldern seiner kaiserlichen Majestät großer Schaden.", schreibt Pfe, "denn an solchen Stellen zugunsten des Austreibens des Viehs, besonders aber der Ziegen, kann das junge Holz nicht wachsen, sondern, wenn es schon zu wachsen beginnt und kann, ist es angefressen und kommt nicht voran. Es gibt auch verschiedene leere Plätze zum Teil knapp bei den Bauden, auf denen der Forstmeister den Baudlern Holz verkauft, aber die Baudler dann auf diesen Stellen Wiese begründen und dort kein Holz mehr wachsen lassen. Schließlich wurde uns gesagt, daß früher die Baudler verpflichtet waren, dem Forstmeister eine Henne abzugeben, jetzt aber anstelle dieser Henne dem Herrn De Waggi jährlich 12 kr geben müssen."

Nach der Art, die sich die Baudler aus ihrer Heimat Tirol und Steiermark mitbrachten, übten sie fast unermesslich Weide im Wald aus, um weitere Grasflächen zu gewinnen. An vielen Stellen bemerkten die Kommissare in gesunden, erneuerten oder vorher durch Nutzung nicht berührten Beständen viele trockene Bäume. Alle diese Dürrlinge waren unten niedrig über dem Boden im ganzen Umfang angeschnitten. Und dieses Anschneiden hatte zur Folge, dass jeder so angeschnittene Baum dürr werden und zugrunde gehen muss, denn seine Wurzeln trocknen allmählich aus, und dann wirft ihn der Wind um. Aber die Baudler nutzen sein Holz und lassen keinen Jungwuchs mehr hochkommen, sondern schaffen und erweitern sich durch dieses Tun Auslauf und Weide für das Vieh, aber für diese Vieh müssen sie dem Herrn De Waggi einen gewissen Betrag zahlen.

Auf diese Weise umgingen die Baudler die Anordnung zum Schutz der Bestände und respektierten sie offensichtlich nur soweit, dass sie nicht wagten, allzu auffällig direkt Holz zu fällen. Ähnlich griffen Gebirgsbewohner in Waldflächen ein, die sich durch Verkauf von Harz Erwerb verschafften. Die Folgen ihrer Tätigkeit - angebrannte Bäume, die deswegen zugrunde gingen, weil die "Baudler das Harz mit Hilfe von Feuer herausziehen". - fanden die Kommissare im Löwental.

Und trotz des unleugbaren Anwachsens des Ausmaßes der Siedlung, der Zahl der Bewohner, der Entwicklung der Landwirtschaft und besonders der Viehzucht, können wir auf der Grundlage der Karte von Globitz und den Berichten von Pfe urteilen, dass im Lauf keines ganzen Halbjahrhunderts die natürliche Erneuerung der Trautenauer königlichen Wälder, die nach dem Gutachten der Kommission vom Jahre 1609 gänzlich devastiert waren, durch langjährigen intensiven Betrieb bedeutend fortgeschritten war. Von ihrem riesigen Umfang in der jüngsten Vergangenheit zeugen 16 Klausen, die Globitz auf den Wasserläufen in den Tälern der Großen und Kleinen Aupa aufzeichnete. Pfe vermerkte in seinem Bericht die Namen all dieser Flößeinrichtungen und fügte zugleich die einzige bisher bekannte zeitgemäße Beschreibung ihrer Funktion hinzu:
"Und die Klausen sind nichts anderes als kleine Dämme in den Tälern. Wenn die Klause dem Fluß entgegensteht, halten die Holzleute hinter diesem Damm soviel Wasser zurück, soviel sie brauchen, so daß jede Klause einem kleinen Teich ähnelt. Und wenn dann das benötigte Wasser zurückgestaut ist, wälzen die Holzarbeiter große Stammstücke, wie sie im Sägewerk gebraucht werden, in den Bach oberhalb oder unterhalb der Klause. Wenn sich alle Klausen auf einmal öffnen, gelangen die Klötze durch die Aupa bis in die Elbe und von da nach Kuttenberg. Davon erzählten uns alle Anwesenden und die übrigen Wäldler."

Verglichen mit der rücksichtslosen, durch den Bedarf der Kuttenberger Silbergruben erzwungenen Rodung, waren die Eingriffe in die Waldfläche, die die Kommission feststellte, unbedeutend. Nur Herr De Waggi und einige seiner Untertanen erkühnten sich, ohne Wissen des Forstmeisters Holz in den königlichen Wäldern zu fällen auch nach der Bekanntmachung des Gerichtsverfahrens am Hang des Schwarzen Berges zwischen Dunkeltal und Harfenstein. All diese neuen Holzschläge, auf denen die Kommissare einige zehn Klafter Brennholz, 100 Schock Dachschindeln und für das Sägewerk des De Waggi bestimmte Stammholz, maß Globitz in zemsky provazek und zeichnete sie in das Konzept der Karte. Herr De Waggi nutzte hier um 300 Stämme auch schon in den vergangenen Jahren und sein Burggraf hütete das Recht seines Herrn gegen das Einschreiten des königlichen Kammer durch wiederholtes Verkünden des Anspruches auf den ganzen Schwarzen Berg, den angeblich schon Frau Magdalena Trcka benutzt habe.

 

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