Entnommen: Do Töldra. Mitteilungsblatt der Gemeinde Ahrntal. Juni 2003- Jetzt nur noch als PDF-Datei (Seite59 – 61)

Das Riesengebirge und das Ahrntal

Die Forschungen des † Gustav Erlbeck, Oberforstrat i. R.

von Ernst Hofer, St. Johann

Ein Vorfahre seiner Frau namens Brunecker gehörte zu jenen Tirolern, die nach dem Niedergang des Silberbergbaues in Schwaz um 1560/70 auf Arbeitssuche* waren. Hunderte dieser Tiroler, darunter auch 1 Brunecker, kamen als Holzfäller und -Flößer ins Riesengebirge (Böhmen) und siedelten sich dort an. Sie gründeten dort die Orte Gross- und Kleinaupa, wo ihre Nachfahren über 400 Jahre lebten – bis zur Vertreibung der Deutschen durch die Tschechen im Jahre 1945.

Die Schwiegermutter Gustav Erlbecks hieß Anna Hofer und stammte aus Niederkleinaupa in der Nähe der Schneekoppe im Riesengebirge. Gustav Erlbecks Freizeitbeschäftigung war und ist wie er selbst sagt, "stets Heimatkunde und Ahnenforschung". Als Mitte der 80-er Jahre die Matriken (Tauf-, Heirats- und Sterbebücher) des zuständigen Pfarramtes Marschendorf im Archiv Zámrsk zugänglich geworden waren, begann er dort mit der Erforschung des Ahnenstammes der Hofer – zurück bis 1642.

Dabei stieß Gustav Erlbeck immer wieder auf auffällig alpenländische Namen, hauptsächlich aus Tirol. Eine Spur in die Alpen, welche in der sudetendeutschen Volkstumskunde nur spärlich bekannt war. Da es sich bei den Tiroler Namen aber um weitverbreitete Namen handelt und die Herkunft der Vorfahren der Riesengebirgler – mit 1 Ausnahme – nirgends vermerkt ist, schien es aussichtslos irgendwelche Verbindungen nachweisen zu können Namenslisten der nach ihrem Abreiseort genannten "Schwazer" fehlen in den Archiven und in den Akten klafft zudem eine zeitliche Lücke von rund 80 Jahren (1560 – 1640).

Nach jahrelangen Studien entdeckte Gustav Erlbeck durch einen glücklichen Zufall auf einer alten Wanderkarte den Brunegger-Hof in Weißenbach. Brunecker kamen schon vor rund 400 Jahren ins Riesengebirge und an eine Herkunft aus der Stadt Bruneck konnte Erlbeck nie glauben, denn Holzknechte lebten nicht in der Stadt, sondern auf dem Bauernhof.

In den letzten 3 Jahren gelang es ihm anhand von Namenslisten eine mehr als auffällige Übereinstimmung nachzuweisen: Von den im Aupatal vorkommenden Familiennamen kommen / kamen folgende auch im Ahrntal vor: Hofer, Brunegger, Berger, Hüttler, Steiner und Wieser; davon allein 3 in St. Peter.

Gustav Erlbeck schließt es aus, dass es eine solche Namenskonstellation irgendwoanders in den Alpen noch einmal geben kann, auch wenn er darauf hinweist, dass der direkte familiäre Zusammenhang zwischen dem Aupatal und dem Ahrntal anhand der heutigen Quellenlage nicht bewiesen werden kann.

Es gibt allerdings noch weitere Namensgleichheiten, denn Namen wie Brunnberg, Lahntal / Lathental, Steinpent / Steinwender, Kastner oder Kröll kommen ebenfalls sowohl im Ahrntal als auch im Aupatal vor.

Anzumerken wäre vielleicht noch, dass seit dem Bekannt Werden dieser Forschungsergebnisse bereits mehrere Riesengebirgler das Ahrntal aufgesucht haben.

Dem Forscher und Freund Gustav Erlbeck wünsche ich, dass er bei uns im Ahrntal noch oft an historischen Stätten nach gemeinsamen Vorfahren suchen kann.

Gustav Erlbeck

• Geboren in Brüx, Böhmen am 10. Juni 1916
• Studium der Forstwissenschaft in Prag und in Tharandt bei Dresden
• 1939 Abschluss des Studiums als Diplomforstwirt
• 1943 große forstliche Staatsprüfung in Berlin
• Leiter der staatl. Forstämter Tetschen-Bodenbach und Oberhof in Thüringen
• 1954 nach Westdeutschland gekommen
• arbeitet als selbstständiger Sachverständiger
• 1959 Rückkehr in den Forstdienst (entgegen wirtschaftl. Überlegungen)
• 1981 Pensionierung lebt in Kirchberg an der Iller

• Hang zu Natur und Musik
• Botanik ist seine große Leidenschaft
• Verfasser von etwa 60 forstliche, bodenkundliche und heimatkundliche Abhandlungen
• Übersetzung wissensch. Arbeiten aus dem Tschechischen
• ahnenkundlicher Betreuer mehrerer Heimatkreise

Benutzte und weiterführende Literatur (Auswahl):

Gustav Erlbeck, "Der Familienname Erlbeck. Bedeutung, Vorkommen, Personen, adelige Geschlechter", Ebnath 1992
Gustav Erlbeck, "Älpler im Riesengebirge", in: Ostdeutsche Familienkunde. Zeitschrift für Familiengeschichtsforschung, 50. Jahrgang (2002), Band XVI, Heft 1, Seite 156
184
Bärbel Köstler, Kleinaupa (Malá Úpa). "Das höchstgelegene Dorf Böhmens unter der Schneekoppe"** Hildburghausen 2001
www.riesengebirgler.de


Ernst Hofer
St. Johann



Ergänzungen / Hinweise

Herr Gustav Erlbeck verstarb am 22.07.2006 in Kirchberg / Iller.

* Sie könnten auch des Glaubenshalber aus ihren Wohnorten abgewandert sein (siehe u. a. Chronik der Stadt Trautenau von Simon Hüttel, alte Grenzbeschreibungen der königlich trautenauischen Wälder und das Buch "das Riesengebirge und sein Vorland zur Zeit der Rekatholisierung" von Pfarrer Dr. Franz Xaver Kuhn und die alte Kirche in Marschendorf ehemals III. Teil – siehe anhängende Webseiten
– ).
** siehe www.riesengebirgler.de / Inhalt / Büchervorstellung

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